Sehr geehrter Herr Strahm
Als Sie noch linker Politiker waren, schätzte ich Sie eigentlich noch sehr. Sie waren ohne Zweifel einer der intelligentesten Linkspolitiker des Landes. Ihnen wäre es nicht passiert, wie dem Klamaukpolitiker Christoph Blocher, ein Sonderzüglein mit Europa zu fahren, dann in sämtliche Fallen der Grössenverhältnisse zu fallen und dann die tumben Schweizer zu überzeugen, die von ihm erwirkten kalten Anpassungen an europäische Gesetze auch noch abzulehnen sind, bis es der EU vollends verleidet sein wird (nach der Abstimmung im Herbst 2005), mit der kleinen und dummen Schweiz und ihrem anti-europhilen Touch bei gleichzeitiger Rosinenpickerei zu verhandeln.
Als Führer des Mieterverbandes waren Sie eher eine zu kleine Nummer: Nie haben Sie meine Theorie begriffen, dass ein Haus-/Wohnungsbesitzer mit dem steuerlichen Eigenmietwert bei gleich bleibenden Verhältnissen und unter Einbezug von Hauskosten resp. Miete, Steuern und Alternativanlage von gleichem Vermögen, der Besitzer IMMER massiv besser dasteht, als der Mieter. War wohl etwas zu kompliziert und so haben Sie am TV um den Brei herum geschwatzt, statt zu sagen, dass die Mieter immer die Hausbesitzer subventionieren (ich BIN Hausbesitzer!), was den reichen CH-Parlamentariern nur Recht sein konnte.
Doch als Preisüberwacher sind Sie die letzte Niete, sozusagen der Mörgeli-Blocher unserer Wirtschaft. Es ist nicht Ihre Schuld. Die Materie ist dermassen komplex, dass ein Mensch, der die Mieterfrage nicht kapiert, auch die Preisfrage im weltweiten Geflecht der Verhältnisse nicht kapieren kann. Doch die Situation ist viel einfacher, als die meisten Chefredaktoren zu denken vermögen.
Ich muss jetzt leider etwas ausholen, weil die Frage des richtigen Preisniveaus wirklich sehr kompliziert scheint:
1. Die Schweiz ist eine Hochpreisinsel. Dies hat gewisse Gesetze und dies kostet. Ich will es an einem Beispiel erörtern: Ich betreute eine Firma, die eine Fabrik in der Schweiz baute und ihre Produkte in der Schweiz viel teurer verkaufte, als ihre Mutterfirma in Deutschland ihre gleichen Produkte. Diese Schweizerfirma musste während Jahren mit Millionenbeträgen von der deutschen Mutter vor dem Konkurs, trotz höherer Preise in der Schweiz, gerettet werden. Warum? Das Bauland war teuer, der Fabrikbau in der Schweiz war viel teurer als jener in Deutschland. Die Löhne waren höher, die Mieten für Lager, die Transportkosten, alle Gemeinkosten waren höher in der Schweiz als in Deutschland. Sogar die Kosten für Werbung waren höher und auch die Bestechungsgelder an die Schweizer Redaktoren über die Firma zu schreiben, waren unverschämt. Schliesslich wurde die CH-Firma liquidiert, nachdem die deutsche Mutter ein Vermögen an A-fonds-perdu-Beiträgen geliefert hatte. Dieses Beispiel allein schon ist klärend, warum Produkte in der Schweiz einfach teurer sein MÜSSEN, als in anderen umliegenden Ländern.
2. Sie reden einer Billigpreis-Politik das Wort und "begrüssen" die Konkurrenz von LIDL und ALDI. Für wie blöd halten Sie eigentlich die Konsumenten? Jeder Konsument, der immer billiger fliegen, einkaufen, reparieren lassen und tiefere Hypotheken bezahlen will, ist gleichzeitig: Handwerker, Angestellte, Arbeiter, Redakteur oder Banker. Je tiefer die Preise desto tiefer die Löhne und desto mehr Arbeitslose. Kapiert? Ich mache ein Beispiel: Ich bin zum Beispiel viel intelligenter als jeder Chefredaktor der Schweiz. Was würde geschehen, wenn ich trotzdem bereit wäre zu halbem Salär eines Hugo Bütler oder Frank A. Meyer zu arbeiten? Eben, diese Herren verlören zu Recht ihren Job, aber vorher würden sie ob dieser Billigkonkurrenz noch applaudieren! Applaus vor Reflexion, wie immer in der Presse. Nein, diese Herren wiedergeben solchen geistigen Schrott nur, wenn sie nicht persönlich betroffen sind. Eigentlich ist die ganze weltweite Billig-Ideologie ein Individualegoismus des leeren Denkens, und somit ein Sargnagel zum menschlichen Kapitalismus und mit ein fundamentaler Grund, warum weder Schröder noch Merkel noch irgendein Weltpolitiker je wieder einen Fuss auf den gesamtwirtschaftlichen Boden bringen werden.
3. Sie verlangen nach billigeren Medikamenten, nach Auslandkonkurrenz mit Billigimporten sozusagen auf allen Gebieten des Handels und Gewerbes. Was wird die Folge sein? Diese aus natürlichen Gründen "billigeren" und oft auch schlechteren Produkte konkurrenzieren die Schweizer Landwirtschaft, das Schweizer Gewerbe, unsere Produktion und unser Dienstleistungssystem - und hoffentlich auch die Schweizer Banken und die Schweizer Presselandschaft. Ein Massensterben wird die Folge sein, ganz einfach und logisch. Wo die Hochpreisinsel Schweiz mit unfairen Mitteln bekämpft wird, folgt ein Desaster, Arbeitslosigkeit, Verlust des Handlungsspielraums. Diese Behauptung kann zu 100 % nachgewiesen werden mit dem Finanzkollaps der USA, den sie sich mit den Billigprodukten aus China selbst ins Haus geholt hat, neben dem Wahnsinn von George W. Bush, die Reichen zu begünstigen und auf diese Weise riesige Defizite im Haushalt zu provozieren und als Konsequenz damit den Konkurs der USA vorzubereiten. Was Sie tun, ist folgerichtig nichts anderes, als ebenso den Konkurs der Schweiz vorzubereiten.
4. Schweizer Agrikultur: Mit Hilfe der WTO, den US-Globalisierern und den dümmsten Politikern der Schweiz werden die Schweizer Bauern langsam ausgeblutet. Es ist ganz einfach: Mit Billigimporten werden die CH-Bauern in die Knie gezwungen, zu CH-Bankern mutiert und nach dem Verbot des CH-Bankgeheimnisses infolge EU-Abzockerei werden diese Banker alle arbeitslos auf der Strasse stehen - und die CH-Agrikultur wird am Boden zerstört sein. Dann schreien alle Chefredaktoren nach ausgebildeten Bauern. Wann? Schon morgen. Verursacher? Die dümmsten Politiker, Medienmoguls, Wirtschaftsführer und Parlamentarier, die die Schweiz je hatte. Man kennt sie bei Namen: Blocher, Mörgeli, Bodenmann, Maurer, CEO Jean Frey AG, Bütler und Dr. Schwarz, Ospel, Ebner-Schildknecht, Grübel, Leuthart-Meier-Schatz (die manngewordenen FeministInnen der Schweiz), dieser irre Gotthardboy Giezendanner und seine Medien-Murdoche Leutenegger-Engeler der Weltwoche und Gerry Black der NZZ - und die vielen anderen Nieten, und nicht zuletzt dieser Anpasser an unsere CH-Wahnverhältnisse - unser aller Preis-"Überwacher" Rudolf Strahm.
Sie wollen das Beste, aber weil sie nur beschränkt intelligent sind, kaum vernetzt denken können, von wirtschaftlichen Grundprinzipien keine Ahnung haben, ebenso wie Bütler und Dr. Schwarz, die im Gegensatz zu mir nicht schon im Jahr 1998 erkannten, dass die Swissair mega-pleite ist, werden Sie nur Schaden anrichten mit Ihren faulen Interventionen.
Aber Sie können gar nicht anders: Die Globalisierungsgesetze des ewigen "Noch-billiger", noch höheren Produktivität, noch höherer Shareholder values, noch mehr Freigestellten, sprich Arbeitslosen, noch mehr Idioten, die billiger leben wollen aber gleichzeitig nach einem gut bezahlten Job schreien. Solche Lebensgesetze diktieren den Niedergang unseres Kapitalismus, weil die Gier die Vernunft bei weitem übersteigt und gleichzeitig in keiner Chefetage einer Zeitung oder TV-Station noch universell denkende Köpfe hausen.
Es braucht Sie gar nicht, lieber Herr Rudolf Strahm. Was Sie auch immer tun, ist reine Bildschieberei, ist ein Bluff an der Realität des Faktischen. Wir haben uns selbst verdummt, eine Geldwelt geschaffen der schieren Illusionen und alle machen beim Tanz um das goldene Kalb mit und werden damit den Niedergang des westlichen Kapitalismus erwirken. Zwangsläufig und unvermeidbar. Ja, mein Freund, so ist es leider. Schreiben Sie nicht nach dem Hirn der NZZ. Die Zeitung hat keines, noch nie gehabt.
Gehen Sie zurück ins Private, gehen Sie in Pension. Dann könnten Sie, genau so wie die meisten Redaktoren, endlich keinen Schaden mehr anrichten, indem Sie die Realitäten dieser Welt nie begreifen werden und trotzdem so tun, als wären Sie der Grösste. Intelligenz und Verstand sind angeboren und können zwar im Leben etwas angehoben werden. Doch Dummheit bleibt immer und ewig eben Dummheit. Ich habe Sie gewarnt: Die Sache ist wirklich sehr komplex.
Mit freundlichen Grüssen