Preispolitik, die Wirtschaft und die Bauern
Gedanken zu einer Preisüberwachung aus dem Mittelalter
Wieder einmal wird beklagt, dass die Preise in der Schweiz viel höher seien als "im Ausland". Gemeint sind damit meist die nächsten Länder: Deutschland, Frankreich, Österreich oder Italien.
Nun denn, studieren wir mal, was hier eigentlich Sache ist.
Grundlegende Tatsachen
Die Schweiz ist erst im Laufe der Zeit ein reiches Land geworden. Dadurch hat sich immer alles etwas verteuert im Vergleich zu anderen Ländern. Die Preise für den knapper werdenden Boden, daher die Mieten und Preise für Häuser, die Ansprüche an Luxus und Gesundheit, an Sport und an luxuriösere Fahrzeuge sind ebenfalls immer mehr in die Höhe geklettert. Gleichzeitig mussten die Löhne gleichziehen und sie konnten es auch, denn die Export- und Bankenwelt erzielte riesige Gewinne und so konnten die Phantasien der Bürger ohne weiteres befriedigt werden und eine Kosten-/Preisspirale nach oben konnte seinen Lauf nehmen. Heute, wo die Ansprüche beinahe nicht mehr zufrieden zu stellen sind, wo Arbeitslosigkeit ausgebrochen ist, wo die Agrarwirtschaft enorm subventioniert werden muss, damit nicht noch mehr Bauern verarmen und in Konkurs gehen, schaut man ins Ausland und staunt ob die billigeren Preise und möchte am liebsten die ganzen Auslandsysteme importieren. Dies geht natürlich nicht. Wir müssten ganz langsam versuchen, das Preisniveau von Europa zu erreichen, ohne dass alle internen Mechanismen in sich zusammenbrechen werden.
Aufnahme in der EU
In dieser Situation kommt der neue Preisüberwacher Strahm auf die Idee, dass die Aufnahme in der EU das Problem lösen könnte. Das Gegenteil ist wahr. Im Gegensatz zu Polen und anderen osteuropäischen Ländern, die profitieren von den hohen Preisen im Resteuropa, wäre der Geldzoll für die reiche Schweiz gigantisch. Es gibt Tausende von Gründen, warum die Schweiz der EU beitreten sollte. Das Preisniveau ist der allerletzte Grund. Doch die volkswirtschaftlich geschulten Politiker der Schweiz sind sich nicht einig: Strahm, Bodenmann, Franz Jäger, Dr. Schwarz der NZZ und viele andere widersprechen sich in ihren zahlreichen Analysen. Es ist doch so: Wir können sie haben, die europäischen Preise, aber dann müssen die Gehälter der Eliten runter und zwar radikal, bevor die Löhne der armen Arbeiter und Angestellten auch noch nach unten rutschen. Es wäre nicht schlecht, wenn die Überbeanspruchung aller Ressourcen, wie wir sie in den USA und eben der Schweiz kennen, endlich korrigiert würde. Doch solche Gründe liegen den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft in der Schweiz nicht sehr am Herzen, sie denken in Kategorien von Profite machen und mit billigen Produkten und Dienstleistungen (Billigfliegerei) die Umwelt zerstören sowie ein wahnsinniges Wachstum zum Schaden der Zukunft erzeugen. Seit wann bringt man mit Wachstum eine schnell sich verschlechternde Umweltsituation in Ordnung und schont Ressourcen und Energievorräte? Wir sind alle verrückt geworden mit den jetzigen Wirtschaftstheorien.
Gehen wir doch in die EU, warum auch nicht? Doch gewinnen werden wir etwa gleichviel, wie wir verlieren. Deshalb haben sich die Schweizer auch noch nicht entschieden: Aus purem Instinkt und Selbsterhaltungstrieb.
Regulierung / Deregulierung
Zum Zweiten wird behauptet, dass die ganze Wirtschaftswelt viel zu viele Regelungen und Gesetze aufweise und deshalb könne man nicht "frei fliegen" bei der Erzielung von Profiten zugunsten des allgemeinen Schweizer Volkes. Schon wieder dieser Ruf nach Deregulierung. Hatten wir doch schon: Deregulierung, Globalisierung, Privatisierung, Shareholder Value, Börsenblase in den 90er, Internetphantasien und Telefonie-Lizenzen für Milliardenbeträge. Alles nur Selbstbetrug des einfachen Geistes. Fast jede Deregulierung hat langfristig gesehen ein Chaos erzeugt, in England, in Südamerika, in Afrika. Wenn dann sogar die Grundbedürfnisse nicht mehr garantiert werden, dann ist Ende mit Menschsein. Die Regelungen sind zum Teil hanebüchen, einverstanden, doch viele waren Reaktionen von Regulierung von Gier, Dummheit und Macht der Stärkeren gegen die Schwächeren. Ausgerechnet die Schweiz, wo die Reichen abhauen in die billigsten Steueroasen und sich die Differenz der Einsparung berappen lassen von den Daheimgebliebenen, schwafelt von Wachstum des Wahns, indem jeder machen kann, was ihm Vorteile verschafft im Vergleich zum Rest der Harmlosen. Hat man das Spiel in der Schweiz, mit ihren vielen Spielcasinos, immer noch nicht begriffen? Was muss passieren, bis auch einem "Sozialdemokraten" wie Strahm endlich der Groschen fällt? An den Hochschulen wird der ewiggleiche Milton Friedmann-Kanon nachgebetet und zwar so lange, bis alle entreichert sein werden, die Armen und die Reichen. Aber vor allem sind wir daran, eben jetzt unseren Planeten selbst zu entreichern. Doch diese Tatsache werden wir denkerisch auch noch deregulieren wollen - und dann ist Schluss mit Regulierungen.
Welche Chancen haben die Bauern der Schweiz?
Mein Credo in meiner gesamten Literatur war schon immer, das die Mechanismen der Globalisierung, verbunden mit neoliberalen Grundsätzen in die Hölle führen werden. Dies gilt für alle Verlierer dieser Welt, die nicht mithalten können bei diesem Wahnsinnsritt der Starken gegen die Schwachen. Unter die Räder kommen etwa: Ganz Afrika, alle weniger entwickelten Staaten und Branchen der Welt, die finanzschwachen Elemente in der ganzen Welt. Dies lässt sich schön demonstrieren bei den Bauern der Schweiz. Auch hier wäre Autarkie und Autonomie angesagt und sonst verschwindet die Bauernschaft der Schweiz ganz einfach. Es ist ein Wahnsinn, den Bauern hohe Kosten für alle Beschaffungen, Löhne, Mieten etc. abzuverlangen, in einer Hochpreisinsel, und so zu tun als wäre die Schweiz Sizilien... Ja, wir werden wie Sizilien, wenn der Schweizer nicht anerkennt, dass er sich diese Landwirte leisten will, kann und muss. Und sonst geht es den Orkus runter wie mit der gesamten Weltwirtschaft in den nächsten 20 Jahren. Hier bin ich unfehlbar: Mit Globalisierung und Neoliberalismus, gemäss einer irren Theorie von Kurzzeitdenkern aus den USA, werden wir wirtschaftlich, ökologisch, sozial und kulturell innert weniger Jahre sämtliche Kollapse erleben, die überhaupt denkbar sind. Und keine Regierung, kein Mensch hat eine Idee, wie dieser Systemfehler korrigiert werden könnte...
Was auch noch zu sagen wäre....
Ich stelle fest, dass wenn immer ich in die Tasten greife, ganz einfach ein Vorhang der Erkenntnis aufgeht, immer wieder und so oft ich mich eines Themas annehme. Das Obige ist in zehn Minuten entstanden. Was würde wohl entstehen, wenn ich ein Jahr in das Thema verbraten würde? Man wird noch erkennen, wo die Falschdenkenden der Schweiz sind und welche Namen sie tragen. Doch im Moment gilt es, etwas zurückzuschrauben und dem Wahnsinn falschen Denkens, falscher Prioritäten, nicht mehr lange zusehen zu wollen. Aufregen kann ich mich schon lange nicht mehr, dass die Menschen das Chaos, das sie selbst zu verantworten haben, nicht begreifen. Unsere Kindeskinder werden es für uns tun müssen, das Verstehen, doch dies wird ihnen dann auch nicht mehr helfen können.
Hochpreisinsel Schweiz! Was für ein Problem bei einstürzenden Wahrheiten auf Weltbasis, mit wieder gewählten Machtmenschen der allerdümmsten Sorte. Ich denke, wir haben noch viel grössere Probleme als die eben beschriebenen. Und diese werden wir nicht mehr lösen können.
Wie denn, wenn schon nicht begriffen wird, was passiert, wenn die Schweiz....
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