Auskoppelung aus dem Buch "CHAOS" von René Delavy
(für Zahlen und Prozente pro Stufe: - Sehen Sie Blog www.rene-delavy.com - Version English / German)
genauer- Editors Letter No. 111 - Steps of Thought ---- Version English / German
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Die 8 Stufen des Denkens
Das Denken läuft in Stufen ab, was heissen will, dass Denken nicht gleich Denken bedeutet, sondern dass es für den Geist ebenso Stufen der Wertigkeit gibt wie bei der Körperlichkeit, wo wir automatisch die Differenz zwischen einem bewegungslosen Dicklichen und einem Superathleten der Sonderklasse sofort erkennen. Und wie beim Körper geht die Tendenz dahin, dass die Athleten immer weniger werden und es immer mehr Leute gibt, die sich mit Low thinking zufrieden geben. Doch woran soll sich der Geist denn messen lassen? Ich will versuchen, eine Pyramide des Denkens zu bauen und zu begründen:
Erste und höchste Stufe:
Kreatives Denken, Schreiben auf höchster Schwierigkeitslinie, des Philosophierens, des Komponierens, des Schreibens von Literatur und des Erfindens von Gegenständen oder Ideen. Wenige Menschen sind in der Lage, Gedanken zu entwickeln, die sich zuvor noch kein Mensch so gemacht hat. Es ist ein Globaldenken, das heisst, diese Menschen sehen die Erde als das, was sie ist: eine in der Ewigkeit der Zeit und Unendlichkeit des Raumes dahin schwebende Kugel in einer absoluten Abgeschiedenheit des Seins, wo momentan eine rasende Entwicklung des Lebens stattfindet, welche beinhaltet: Geschichte, Wissenschaft, grundlegende Philosophien des Fundamentalen, Geist und Geld, Natur, Tiere, Menschen, alles vernetzt gedacht und universell. Letztes Wissen um das gedankliche Netzwerk universellen Seins auf der Erde, betrachtet aus der Ferne, wie ein Gott, daraus schliessend auf die wunderlichen Dinge des Daseins, losgelöst von einschränkenden Philosophien über das Menschentum an sich und seinem eingeschränkten Wissen über die Möglichkeiten und Irrtümer seines Willens zur Macht. Erkenntnisse über die Gefährlichkeit falschen Wissens sind immer präsent, die Gefährdung alles Lebendigen im Kontext der wahrhaftigen Realität des menschlichen Daseins wird im vollen Ausmass gesehen.
Zweite Stufe:
Im Stillen anspruchsvolle Texte von jenen lesen, die die höchste Stufe erreicht haben, gleichzeitig eine Selbstreflexion vornehmen, indem das Gelesene oder Gehörte am eigenen Denken gemessen wird, Gedanken werden fortgeschrieben und weiterentwickelt, Fehler werden erkannt und Richtigkeiten einem Wahrscheinlichkeitsraster unterworfen, falsche Analysen werden Kraft der Logik als solche entlarvt. Menschen der zweiten Stufe sind zwar nicht fähig, universell und komplex vernetzt zu denken, doch ihr Realitätsbezug findet auf sehr hoher intellektueller Denkstufe statt. Sie sehen, wie relativ des Denken tieferer Stufen ist und sie verzweifeln schier an ihrer Unfähigkeit, ihre wahren doch von anderen unerkannten Denkfähigkeiten nach unten durchströmen zu lassen.
Dritte Stufe:
Die aus der zweiten Stufe kommenden Texte werden l a u t gelesen oder vorgelesen. Man merkt sehr rasch, dass das Laute der Stimme die Selbstreflexion praktisch verunmöglicht. Man nimmt die Texte als vorgegeben zur Kenntnis, weil das Konzentrieren auf die menschliche Stimme beim Denken stört. Der Redefluss an Vorträgen, am Radio, im Fernsehen, bei Lesungen stört den eigenen Denkfluss, der seinen eigenen Rhythmus verlangt und nicht vergewaltigt werden kann, ohne dass die oberen Stufen des Denkens Schaden erleiden müssen. In der Literatur finden sich die Denker der dritten Stufe damit ab, dass sie nicht über Politik und Philosophie nachdenken müssen, sondern sie bilden das Leben eins zu eins ab, Befindlichkeiten, Freundschaften, Familien- und Stadtgeschichten, Darstellung des Tatsächlichen der Jetztzeit ohne Bezug zum Gesamtbogen des Wirklichen im Zeitfluss der ewigen Menschheitsgeschichte. Doch wenigstens ist die Realität noch nicht vereinfacht durch eingeschränkte Logik des Denkens, sondern es bestehen erkennbare Ansätze, höhere Denkstufen erreichen zu können.
Vierte Stufe:
Lesen von normalen Texten des Alltags, aus Zeitungen, Büchern, Lesen von Gedichten, Belletristik, normales Denken des alltäglichen Seins und damit Schaffung einer vermeintlichen "Realität" des wahren Seins, das alle oberen Stufen des Denkens ausklammert. Man lebt, mehr nicht. Zu dieser Stufe gehört auch die Verklärung des Seins infolge des Ersatzes der Logik durch Glaubenssätze von Religionen, Esoterik, Astrologie, alles vorgedachte und irreführende Sentenzen eines Aberglaubens; Glaubenssätze die vortäuschen, in der besten aller Welten zu leben respektive nach dem Tod dahin zu gelangen. Diese Art des Alltagsdenkens und der Verklärung einer vereinfachten Realität führt ins Chaos des wirklichen Lebens, weil die Gefahren, die in unserer enorm komplex gewordenen Welt immer grösser werden, nicht mehr frühzeitig und im richtigen Ausmass erkannt werden können.
Fünfte Stufe:
Trivialliteratur, Boulevard-Journalismus, oberflächliche Herabminderung der Realität auf den kleinsten gemeinsamen denkerischen Nenner des einfachen Seins. Es findet eine Banalisierung der Welt als Ganzes statt, ohne dass die Denkopfer sich ihres Verlustes bewusst werden müssen oder sich gar zu schämen brauchen. Man pflegt einen Hedonismus und Konsumismus der einfachen Denkart und stellt materielle Werte über die geistigen. Diese Gruppe ist obrigkeitshörig und übernimmt gedankenlos Denkmodelle von anderen, auch von dummen Präsidenten und Konzernleitern, ohne dieser einer vertiefenden eigenen Prüfung zu unterziehen. Diese Denkgruppe ist heute die mit Abstand grösste in der Menschheit als Ganzes.
Sechste Stufe:
Eine Boulevard-Diktatur entsteht, mit fanatischem Akzeptieren von oberflächlichen Denkmustern: Nationalismus, Patriotismus, einseitige Sicht auf den Terrorismus, Fremdenfeindlichkeit, Neo-Liberalismus nach Milton Friedman, Casinomentalität in Geldgeschäften. Beispiele: Hitlertum, Stalinismus, Reaganomics, Thatcherismus, Bushismus. Die Dummen übernehmen das Szepter und das "Volk" läuft mit, wobei sich sogar die Intellektuellen hinzugesellen und damit beweisen, dass sie nie in oberen Stufen gedacht haben können. Dieses Denken ist nicht zu verwechseln mit vorgelagerten hohen Stufen des Wissens: Nationale Philosophie ist nicht gleich Hitlertum, Kommunismus nicht Stalinismus, ethischer Kapitalismus nicht Reaganomics etc.
Siebente Stufe:
Kretinismus, krankheitsbedingt oder gewollt durch andauernd tiefes Denken. Solche Menschen sind zu schützen, denn sie können die Verantwortung ihres Seins in einer komplexen Welt nicht mehr selber tragen. Beim gewollten Kretinismus findet eine Infantilisierung statt, wo selbst Erwachsene nur noch wie Kleinkinder zu reflektieren vermögen und ihre selbsterfundene Realität einer furchtbaren Vereinfachung des Denkens unterwerfen.
Achte und tiefste Stufe:
Hohe Gedanken der falschen, destruktiven Art als echtes Wissen über die Welt präsentieren und damit systematisch Selbstauslöschung durch Destruktion des Seins betreiben, sozusagen das Werk Gottes mit Menschenwillen der tiefen Denkart vernichten. Es sind hier nicht dumme Menschen gemeint, sondern solche, die ihre Intelligenz in die Vernichtung des Globus steuern und dabei von der Richtigkeit ihrer Gedankenwelt total überzeugt sind. Hier sind auch Sekten und Esoterik-Verklärer gemeint, deren Einfluss im Denken der Menschheit immer grösser zu werden droht, was das bestehende geistige Chaos stets noch erhöht.
Schlussfolgerung
Es ist traurig feststellen zu müssen, dass sich immer mehr Individuen aus der Gesamtheit der Menschen zu den tieferen Denkstufen zurückbinden lassen oder schon gar nicht zu höheren vordringen können oder wollen, aus Gründen der Schulbildung oder des erkenntnisfeindlichen Umfeldes in der Jugendzeit. Die grosse Masse hat immer weniger Bildung und wird immer mehr Opfer eines Denksystems, das an sich selbst verdummen will. Jene, die auf hohem Niveau kreativ denken können, werden ignoriert und verarmen innerlich, während die Prediger der einfachen Seins immer lauter und mächtiger werden. Man wird sehen, wohin die Reise der Menschheit bei der Qualität dieser Denkvorgaben noch gehen wird.