René Delavy

CHINA - Kurz vor dem Kollaps

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CHINA - Kurz vor dem Kollaps

CHINA - Kurz vor dem Kollaps

Es scheint, dass kein Mensch genau weiss, was mit China geschehen ist und noch geschehen wird. Dabei ist alles ganz einfach: China war eines der letzten kommunistisch regierten Länder. China hielt sich an eine Staatsplanung der Wirtschaft, die Finanzen blieben damals einigermassen im Lot und als Folge wurde auch praktisch keine Staatsverschuldung ausgewiesen. Dafür waren das Bruttosozialprodukt und die Steigerungsraten in der Wirtschaft nicht gerade gigantisch. Dies änderte sich fundamental, als die politische Leitung des Staates die Öffnung hin zum Kapitalismus verorderte und Teilgebiete von China in die freie Marktwirtschaft entlassen wurden.


Sofort stiegen die Zahlen für Wirtschaftswachstum, Bruttosozialprodukt, Liegenschaftspreise, Aktienbörsen, doch weit stärker stiegen die Zahlen der Schulden allerorten, insbesondere die Staatsverschuldung, ebenfalls ins Gigantische. Natürlich applaudierten alle westlichen Länder, allen voran die USA, Leader des neoliberalen Gedankens, und lobten China über den grünen Klee und vergassen darob die Menschenrechtsverletzungen. Letzteres leuchtete zwar ein, denn schliesslich sind die Menschenrechtsverletzungen von anderen Staaten, insbesondere auch der USA, viel gewaltiger als jene in China. Doch die Wucht des Geschehens in wirtschaftlichen Dimensionen wurde einmal mehr von keinem Menschen an den Universitäten oder in den Medien begriffen. Deshalb hätte jetzt eigentlich alles in Minne verlaufen können, wenn nicht dieser blöde Delavy wäre.


Denn dieser Delavy sagt nun voraus, dass China sicherlich schneller wachsen wird als jede andere Nation der Welt je zuvor - dass dann aber dieses China auch schneller kollabieren wird als jede andere Nation zuvor. Warum? Ganz einfach: China holt alle Fehler auf, die der Kommunismus nicht begangen hat, mit seinem beschaulichen Agrar-, Handwerker- und Radfahrerstaat, mit seiner Beschränkung bei der Kindererzeugung und den einigermassen intakten Denk- und Lebensstrukturen. Mit dem monumentalen Anwachsen von Städten, Industrien, Autobahnen, Flughäfen, Kraftwerke, Flussausnutzungen und anderem Blödsinn gingen einher: Die Verwestlichung des Denkens, die Verschuldung der Bürger und des Staates, die Verschiebung von Echtwerten in Börsenwerte, von Werten des Denkens, des Seins, hin zu den kapitalen Werten der Aktien, Obligationen, Treasury Bonds, kurz, der Weltbörsen.


Nicht dass das China von "vorher" irgendwie zu idealisieren gewesen wäre, nein, perfekt ist kein Land der Welt, China hatte lediglich die gigantischen Fehlinterpretationen des kapitalistischen Denkens noch nicht nachvollzogen gehabt, das ist schon alles. Doch nun ging dieses Land, wie Japan und Südkorea, daran, die riesige Staatsverschuldung der USA und die dahin führenden Monsterdefizite aus der neokonservativen Denkküche eines George W. Bush aus geldpolitischen Überlegungen heraus zu finanzieren und damit den künftigen Kollaps der USA, seiner Währung und seiner Staatspapiere, mitzufördern. Damit erwarben sie nichts ahnend Non-Valeurs der Zukunft zu Hauff und betrieben damit die eigene Selbstzerstörung der Wirtschaft, denn die Gewalt der Dominospiels beim Gesamtzusammenbruch der kapitalistischen Weltstrukturen wird kein Auge trocken lassen und somit auch keinen Staat verschonen, schon gar nicht einen Staat, der sich vom sozialistischen Modell der staatlichen Fehlplanung ablenken liess und das kapitalistische Chaos des Alles-geht, auch in Bezug auf die Vernichtung von Echtwerten der Landschaft, von Agrarstrukturen, von Menschlichkeit und von Kulturerhalt, vorzog.


Es ist alles ist ganz einfach: Im Jahr 2020, spätestens, werden diese Sünden der Vergangenheit, in den Zug der totalen Geldgier eingestiegen zu sein, sich als katastrophaler Denkirrtum erwiesen haben und dann ist halt auch China, das zuvor ziemlich autark war, am Boden zerstört, was bei weit über einer Milliarde Menschen kein Kinderspiel sein wird. Dieser Zusammenbruch, in Verbund mit den USA, Japan, ja, eigentlich aller Staaten der Welt, denn schliesslich sind nun alle auf den Zug der Kapitalismus aufgesprungen, wird so gigantisch sein, dass man sich wundern wird, warum ihn nur ein gewisser Delavy kommen sah. Und am Beispiel von China wird man die ganze Falschheit des Denkmodells am besten studieren können, denn die Fehlplanungen des geldwirtschaftlichen Liberalismus wird sich an China innerhalb von zwanzig Jahren vollzogen haben. Nur als Modell eignet sich China jetzt noch; als Staat und als Alternative zu den USA und der von diesem Staat ausgehenden Allmachtsdenken hat sich China fundamental verabschiedet.


Und was besagt dies alles über die sogenannte geballte Intelligenz von Think-Tanks und anderen Organisationen, die glauben, mit zusammengeschalteten Hirnen der totalen Leere einen Wissenssprung nach oben bewirken zu müssen? Es besagt, dass eine Kumulation von geistiger Leere und Dummheit keine Steigerung an Wissen und Erkenntnissen erzeugt. Ein einziges funktionierendes Hirn wiegt millionenfach mehr als alle mittelmässigen Geister der Welt zusammen.


Und so konnte auch China vor dem Zusammenbruch weder gewarnt noch zurückgehalten werden. Leider. Und damit endet das Märchen von der Machbarkeit einer Umwandlung vom öden Sozialismus hin zum strahlenden Kapitalismus. Eigentlich schade. Wäre so schön gewesen, alle US-freundlichen Denkmodellkünstler hätten wenigstens einen Bruchteil an wahrer Intelligenz und Machbarkeit bewiesen, die nötig gewesen wäre, das ganze Debakel wenigstens freundlich abfedern zu lassen. Illusionen, chinesische Irrlichtereien. Die ganze Welt wird nun zum Modellfall für alle Irrtümer des Denkens, wenn kritische Vernunft durch Geldgier ersetzt wird.


Wäre dies alles ohne einen Leaderstaat wie die USA nicht passiert? Schwer zu beurteilen. Auch eine Weltgemeinschaft beginnt offenbar vom Kopf her zu stinken und somit wird die Kurzsichtigkeit des Denkens begleitet und verstärkt in der UNO, die europäischen Kulturen spielen das Spiel mit, die Nachäffer in Asien, Afrika und Südamerika wissen nicht was sie tun, doch vor allem ist es das Denken in den Medien, das hier verheerend wirkt. In der Folge und als Ausfluss des Vorherrscherdenkens eines Staates, der sich um 1945 verdient machte einen fürchterlichen Weltkrieg beendet zu haben, wurde in Zusammenwirkung mit dem kommunistischen Sowjetreich ein fürchterlicher Mix aus Machbarkeitswahn und Hegemonialdenken erzeugt und aus dieser eingeschränkten Sicht der Dinge in Sachen "wirtschaftliche Freiheit" wurde einer wirtschaftlichen und politischen Theorie zum Durchbruch verholfen, die im Chaos enden wird.


Hätte ein wirklich ethisch denkender Staat und nicht diese verblendete USA in den letzten fünfzig Jahren das Szepter geführt, wäre dann weder China noch der Rest der Welt in diese einfältige Kapitalfalle gerannt? Möglich. Es wäre für die Welt sicher besser gewesen, wenn die Restwelt in den letzten fünfzig Jahren auch etwas besser mitgedacht und das menschliche Geistesleben mitbestimmt hätte statt sich verblüffen zu lassen von planerischen Machbarkeitsphantasien, diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs, die doch nur noch in einem geldpolitischen Kollaps enden können.


Alles geschrieben noch vor dem Zusammenbruch aller Systeme, leider, am 11. Januar 2004, um fünf Uhr des anbrechenden Sonntags.


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