René Delavy

Armut und Hunger in der Welt

print Armut und Hunger in der Weltprint

Armut und Hunger in der Welt


16. Oktober 2002 - Brief an Tages-Anzeiger, Res Strehle, Zürich



Zum Thema im Magazin: Armut und Hunger in der Welt


Sehr geehrter Herr Strehle


Alle reden heute wieder einmal von Armut und Hunger in der Welt und kein einziger Schreiber sieht die Zeitbombe, die in Wirklichkeit tickt, zu Lasten von allen Menschen, jenen die heute verhungern und jenen, die glauben, von dieser Gefahr verschont zu bleiben.


Die FAO und Jean Ziegler tun so, als ob es sich um ein technisches Problem handeln würde, etwas, das man wie die Wechselkurse im Geldmarkt beeinflussen könnte. Essbares sei in Unmengen vorhanden, es sei alles nur ein Verteilungs- oder Transportproblem. Kein einziger Journalist oder Buchschreiber erkennt die Ursachen und die Wirkungen der Vorkommnisse in ihrer Gesamtheit, in dieser ins Chaotische gleitenden Welt.


Ich will, dass niemand sagen wird, man hätte nicht a l l e s gewusst, die ganzen Umstände, die hinter diesem Armuts- und Hungerphänomen stehen. Analysieren wir deshalb die Situation heute, im Herbst 2002, einmal genau, mit neuen, ganzheitlichen Denkansätzen:


Gründe für die Armut


Im System der Geldbewertung allen Tuns in dieser Welt, nach dem totalen Sieg des Kapitalismus über den Kommunismus, sind nur noch jene Personen reich, oder können über Mittel verfügen, die Zugang zu Kapital und Geldquellen haben. Alle anderen müssen zwangsläufig verarmen und schliesslich verhungern. Das System diktiert diese Wahrheit. Erst eine neue Verteilung der Mittels "Geld" würde hier eine Änderung bringen. Es ist ein Witz der Weltgeschichte, dass zuerst der Begriff des Geldes definiert werden muss, bevor man an die Quellen der Armut und des Hungers gelangen kann. Dies nenne ich Pervertierung des Denkens, aller philosophischen Erkennungsgrundsätze über die Priorität des Kapitals, der Idee von Nützlichkeit der Kapitalismus.


Sodann muss man erkennen, dass die Methoden, die dazu dienen sollten, die Armut zu vermindern über Geldinstrumente, immer das Gegenteil erwirkt haben. Die Hilfsprogramme hatten nur negative Wirkungen: Schuldenfalle, Zinsfalle, Geldvernichtung, Vernichtung der autarken Agrarkultur in der Dritten Welt, künstliche Schaffung von reichen Grossgrund-besitzern bei gleichzeitiger Enteignung vieler Kleinbauern. Es sind eben die Gesetze der Kapitals, der Weltbank, des IWF, die automatisch im Rahmen der Globalisierung auf diese Weise wirken, sie müssen sogar auf diese einzige Weise wirken, weil eine Ökokatastrophe der Vernichtung einer früher einigermassen funktionierenden ruralen, agrikulturartigen Wirtschaft der Autarkie, der Kleinräumigkeit und der Selbstversorgung einer Region, eines Landes, nur auf diese Weise im System der Geldwelt funktionieren kann. Was für mich glasklar zu erkennen ist, erscheint den meisten anderen Menschen als ein geistiges Chaos. Dabei ist es dieses Fehldenken, das die schädlichen Wirkungen erst erzeugt.


Sodann ist es absolut hoffnungslos, bei dieser Bevölkerungsexplosion, bei mangelnder Kontrolle, mangelndem Geld, wegen einer unglaublich zynischen Geldverteilung in der Welt zu Gunsten der westlichen Wirtschaftsmächte und zu Lasten des Rests, bei dieser geplanten Vernichtungsaktion, der Falschanwendung des Primatrohstoffes "Geld", eine Lösung noch finden zu können. Immer noch werden alle Lösungen zum Thema Armut und Hunger allein über die Geldwirtschaft gesucht. Dabei werden die Ursachen der Vernichtung eines Teils der Weltbevölkerung mit jeder Massnahme in dieser Richtung verstärkt und eine Rückkehr zu lebbaren Grundlagen immer noch mehr verunmöglicht.


Es ist ganz einfach. Wir sind zu viele Menschen auf diesem Planeten. Selbst wenn es nicht diese Verteilungsprobleme gäbe, würde es langfristig auf einen Selbstmord des Planeten hinauslaufen, diese Masse an Nahrungsmitteln anbauen und verteilen zu wollen. Weil dies nicht gelingt, wird auf künstliche Mittel gesetzt, wie Düngung, Züchtung besserer Nutz- und Erntepflanzen, biologische Erkenntnisse und Gen-Manipulationen an Pflanzen. Alle diese Massnahmen dienen nur dazu, die Agonie zu verlängern.


Wirkungen der Massnahmen zur Vermeidung der Armut und des Hungers


Gewollt ist die Minimisierung von Armut und die Reduktion von Hunger und Durst auf dieser Welt auf den Faktor null. Kein Problem. Mit einer Zielwirtschaft wäre dieses Vorhaben schon längstens geglückt. Nur: Selbst bei einer geldlosen Zielgesellschaft wären folgende Faktoren immer noch gleich verderblich:


Wachstum:

In diesem System vernichtet jedes wirtschaftliche Wachstum die Grundlagen des Lebens noch schneller. Vernichtung von Böden, Vernichtung von Ressourcen, Verschlechterung von Luft und Wasser, Aufbau der Schuldentürme, immer mehr Bruttosozialprodukt in den wertlosen Stoff "Zinsen", Vernichtung von Küsten, all diese Vernichtungsschrauben zu Lasten aller zukünftigen Generationen wachsen mit jedem Wachstum, gleich welcher Art, immer stärker in den Himmel und hinterlassen immer mehr Chaos in den Köpfen all jener, die Machbarkeit als höchsten Grundsatz in ihren Hirnen festgeschrieben haben.


Fortschritt:

Der Fortschritt, den die Menschheit meint, ist ein technologisch-wissenschaftlicher Denkansatz. Dieser schafft keine gesunde Landwirtschaft, sondern nur gesunde Banken und Versicherungen, bis diese zusammenkrachen, weil Fortschritt nur des Geldes willen ein Wahnsinn ist und alles vernichtet, selbst das philosophische Denken. Es gäbe nur e i n e n Fortschritt: Jenen des ökologischen Geistesaufbaus, des Erkennens, dass wir ohne unseren lebbaren Globus nicht leben können, dass wir von Nahrungsmitteln leben, und nicht von Geld, von Megastädten, von Börsen, von Banken, von gigantischen Flugzeugen und von Autos, die 300 km/h leisten. Der "Fortschritt" der Atomfront, der Gen-Manipulierer, der technologischen Revolution ist eine Sackgasse, ein rasender Zug, der an der Mauer der Machbarkeit zerschellen wird, planmässig, durch keinen noch so gescheiten Geistesblitz zu widerlegen.


Bevölkerungsexplosion:

Immer wenn von Hunger die Rede ist, sieht man Bilder von ärmsten Familien, die umgeben sind von zahlreichen Kindern, die sie hinlegen von Jahr zu Jahr, ab dem 16. Lebensjahr bis zur Unfruchtbarkeit, und kein einziger Journalist durchbricht diese Mauer des Schweigens, der politischen Korrektheit, dieser Wahnsinn des Verschweigens der wahren Ursachen der Hungers; dass wir viel zu viele Menschen produzieren. Und der Hauptskandal ist es, dass die Ärmsten der Armen am meisten dieser neuen Menschen in die Welt setzen. Und nie, absolut nie, wagt es ein Redaktor, ein Journalist, ein Politiker, ein Sachbuchschreiber die Wahrheit zu sagen, nämlich dass es unmöglich ist, diese Gewaltwelle an neuem Leben zu ernähren, unter den gegebenen Umständen. Absolut unmöglich. Und auch nicht wünschbar. Selbst wenn es nicht um die korrekte Geldverteilung in der Welt gehen würde, sondern wenn man planmässig dort einschreiten könnte, wo Hunger herrscht, und planmässig langfristige Programme zur Verhütung von Hungerkatastrophen aufbauen würde, wäre diese sich selbst erfüllende Prophezeiung der Selbstvernichtung durch zu viele Menschenleben nicht zu durchbrechen.


Genmanipulation:

Wie bei der "grünen Revolution", die auch alle Böden kaputt gemacht und Wüsten der Selbstvernichtung hinterlassen hat, wird heute so getan, als hätte man die Waffen gegen den Hunger: Widerstandsfähige Pflanzen, die den Insekten und allem Gewürm widerstehen würden und riesige Ernteerträge bringen würden. Wieder einmal dieser Wahn der Machbarkeit von Leben über die Wissenschaft. Dabei ist heute schon klar: Diese genmanipulierten Pflanzen haben gegen die wahre Natur nicht den Hauch einer Chance. Die Natur wird in einem ewigen Kampf diese Wirkungen der Genmanipulation zunichte machen, mit Immunisierung und Anpassung, indem das Ungeziefer sich einfach an diesen genmanipulierten Wahnsinn gewöhnt und die Natur selbst die angestrebten Absichten ausser Kraft setzt. Dann beginnt der Wettlauf der Gen-Wissenschaftler gegen die Macht der Natur und die Natur wird am Schluss gewinnen und wir sind all unserer Möglichkeiten beraubt, noch irgendwelche widerstandfähigen Reis, Weizen, Soja oder was weiss ich, anzupflanzen. Die Genmanipulation wird wie bei der Atomwirtschaft und bei der Leerfischung der Meere bewiesen haben, dass jede Machtkeule der Wissenschaft sich immer gegen die Verursacher richten wird. Nur die Natur diktiert, wo die Grenzen der Machbarkeiten der Menschen wirklich sind. Wir haben auf diesem Gebiet schon verloren, bevor wir begonnen haben.


Diese Kritik an den Gründen für die Armut und den Hunger enthält auch gleich die Lösung:


Zurück zu einer Agrarkultur der Natürlichkeit, der Langsamkeit, der Kleinräumigkeit, der Autarkie, der Selbstversorgung, der kurzen Transportwege, der Anerkennung der Grenzen der Wissenschaft und der Allmacht der Natur. Nur diese Denkwelt wird es ermöglichen, dass eine sich stark reduzierende Menschenmasse noch einige Jahre wird ernähren können, bevor sie sich, aus ganz anderen Gründen als jenen des Teilproblems der Ernährung in der Welt, wird verabschieden müssen, infolge der gigantischen menschlichen Denkfehler und deren Auswirkungen bezüglich der Lebbarkeit auf diesem kleinen Planet.


Der Sinn der Vernichtung des Menschen über die Armut und den Hunger:


Hier muss ich etwas zynisch werden, leider. Macht es einen Sinn, dass diese Geldmenschen-Diktatur, diese moderne Menschenwelt, wo Pflanzen und Tiere, ja der gesamte Planet Erde keine Chance mehr haben, dass diese Menschheit ein Recht auf Weiterexistenz haben soll? Was eigentlich ist an dieser Menschheit noch so toll, dass sie eine Weiterexistenz anstrebt?


Etwa das Internet, mit seinem idiotischen Informationsmüll, mit Kinderporno, Zu-Tode-Folterung von Menschen, gegen Geld, dieser Glaube an die Machbarkeit von Information, von Intelligenz, von Einsicht, diese Förderung des Bösen über das Gute, Geldmaschinerie zur Beschleunigung aller Arten von Börsencasinos, Unterstützung von Aktienwerten für Gesellschaften, die planmässig den Planeten plündern, Erhöhung des Illusionspotenzials in einer immer mehr entwerteten Geisteswelt?
Oder die Bankenwelt, dieses Raubtier der märchenhaften Geldvermehrung, Geld, das man nie wird essen können, eine Spielhölle, die die einen Menschen unendlich reich werden lässt und die anderen immer mehr in die Armut treiben wird? Dieser Börsenwahn, wo alle jubeln, wenn es aufwärts geht und sich vernichtet wähnen, wenn diese Illusionsmaschine der Machbarkeit von Reichtum ihre Lebensersparnisse aufzehrt?


Auch aus dem Sicherheitswahn über Anlagefonds, Versicherungen, Altersvorsorgen und all diese Lebensverlängerungstaktiken noch etwas Sinn auf diese Welt holen zu wollen, in philosophische Hinsicht, ist eine Lächerlichkeit, vor welcher sich der Gott aller Religionen schon lange in seine geistige Unabhängigkeit geflüchtet hat. Er will nichts mehr wissen von Menschen, für die Geld alles ist, der eigentliche Sinn des Lebens jedoch nichts. Er will nicht mit anschauen, wie planmässig die Armut in der Erdenwelt inszeniert wird und durch keine Menschenmacht zu verändern sein wird.


Die einzige Alternative wäre ein total neues philosophisches Denken. Doch davon wollen diese Menschen der ultimativen Geldvermehrung zu Gunsten einer immer kleiner werdenden Schicht von Giermenschen nichts wissen. Immer mehr vom Falschen, immer weniger vom Richtigen, in der Kultur, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Literatur, in der Philosophie.


Und deshalb mache ich das Kreuz über diese Menschheit und warte ab, wo all dies noch endet. Die planmässige Selbstvernichtung der Menschheit, die erst bei den Ärmsten der Menschheit ersichtlich wird, kann nur gewendet werden, wenn wir dieser technologischen Wahnsinns-Geldwelt abschwören und lernen, das Wesentliche des Menschseins zu erkennen, fundamental, philosophisch, über ein Denken der Logik und der reinen, kritischen Vernunft.


Nachzulesen in meinem unveröffentlichten und von allen Verlagen abgelehnten Buchentwurf von den "10 Maximen zur Weiterexistenz". Andere "Philosophen" schreiben Fortschreibungsschrott aus dem Altertum, mit Denkmethoden des Mittelalters, über gehabte, untaugliche Menschendenkwelten. Dies führt nur in den Ruin des Seins.


Man wird sehen, wie klarsichtig diese Analyse war, wenn ohnehin das heutige geistige Chaos bald einmal keinen Menschen mehr interessieren wird, weil die Gegenmittel erschöpft sein werden; und zwar sowohl die natürlichen wie auch die geistigen Mittel.

print Armut und Hunger in der Weltprint